Samstag, 30. August 2014

30. August 2012 - Kriegsverbrechen

Naive Haltung rüber gerettet

Grimmen ist eine romantische kleine Stadt in Vorpommern – mit drei Stadttoren, einem Backstein-Rathaus, vielen kleine Häusern in engen Straßen, etc.. Durch den zweiten Weltkrieg wurde die Stadt nicht zerstört. Einfach - deutsche Idylle. 

Im Städtischen Krankenhaus in Grimmen-Bartmannshagen wurde ich im September 1948 geboren, im Dezember in der protestantischen Marienkirche getauft. Ich liebte und liebe meine Heimatstadt - sie ist mich das starke  Bild von meiner deutschen Romantik.

Mein Vater war 1947 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekommen – sein Geburtsort, die kleine Stadt  Kreuz bei Schneidemühl,  war in Westpreußen verloren, nach 1945 polnisch geworden. Er fand seinen 70jährigen Vater in Grimmen, seine Mutter war kurz nach der Flucht gestorben und in Grimmen beerdigt worden.

Meine Mutter, mit 23 Jahren Kriegerwitwe geworden, hatte 1944 Berlin wegen der alliierten Bombardierungen zunächst nach Westpreußen gegangen, und war 1945 im Januar nach Grimmen evakuiert worden.

Die Not in der romantischen Stadt Grimmen war auch in den Nachkriegsjahren groß. Meiner Mutter ging vor und nach meiner Geburt zu den Bauern arbeiten. Viele Lebensmittel, die sie sich mit harter körperlicher Arbeit erarbeitet hatte, waren für mich als Kleinkind wichtige Nahrungsmittel – aber mindestens alle vier Monate wurde nach Westberlin zu den Eltern meiner Mutter gefahren. Denn Berlin hungerte.

Ich erinnere mich an die Jahre 1950 und später – an die Fahrten nach Westberlin. Die polizeilichen Zug-Kontrollen durch um Berlin herum. Aber auch an die S-Bahn-Fahrten. Kilometerlange Fahrten durch Berliner Trümmerlandschaften.

Meine kindlichen Fragen, warum, warum das so ist - im Gegensatz zu Grimmen … diese vielen Trümmer in Berlin ... wer hat das gemacht, zerstört - und warum? Mit wurde die lapidare Antwort gegeben: Es war Krieg. Das ist grausam. Viele sind gestorben. Viele wurden verletzt.

Und ich frage immer wieder: Warum?  Warum haben die Menschen das gemacht? Alle Menschen, die ich kannte, waren keine Mörder und keiner Zerstörer. Im Gegenteil - das waren Aufbauer, nette und freundliche Menschen. Ich habe keine bösen Menschen getroffen, der andere verletzt oder getötet hatte. 

Menschen, die so was gemacht haben, das waren Verbrecher, böse Menschen. Aber die hab ich als Kind nicht gekannt.

Ich sah in Grimmen und in Berlin russische Soldaten, ich sah in Westberlin amerikanische Soldaten - auch englische und französische Soldaten – und auch Neger, welch ein Wunder. So schwarz. Und nett und freundlich. Und die  haben sich ganz normal und menschlich verhalten.

Mit kam nicht in den Kopf, dass Menschen Städte bombardieren können und wollen, andere Menschen bewusst töten wollen … bei einem Streit muss man doch andere Wege zu finden, als nur bombardieren und töten.

Diese naive Haltung habe ich mir rüber gerettet - in meine Erwachsenenwelt.

Die meisten aus der Regierung und der Generäle aus dem Dritten Reich wurden in Nürnberg von den Sieger, den Alliierten, verurteilt. Oft mit dem Todesurteil. 

Das ist falsch. Und  das verurteile ich.

Gerichte in  einem demokratischen deutschen Staat hätten dieser Kriegsverbrecher anklagen und verurteilen müssen. Und nicht mit einem Todesurteil – sondern, wenn notwendig, mit einer lebenslangen Haftstrafe.
Nach einem solch grausamem Krieg sollte das Todesurteil verbannt sein – als Strafe. Das wäre menschlich und nicht mehr barbarisch …

Kriegsverbrechen wurden von Tätern aus Deutschland gemacht - und das muss bestraft werden … aber auch alliierte Täter haben Kriegsverbrechen gemacht: Zwei Atombomben auf japanische Städte geworfen,  sinnlose und menschenverachtende und grausame Bombenangriffe auf deutsche Städte, etc. …

Ich als Kind - geboren in der Nachkriegszeit:

Ich verachte die deutschen Täter an Kriegsverbrechen, ebenso aber auch die alliierten Kriegsverbrecher.

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